Eierstockkrebs - Ovarialkarzinom

Beim Eierstockkrebs meint man zumeist das Ovarialkarzinom, wobei es auch andere bösartige Erkrankungen der Eierstöcke gibt, die sehr selten sind und meist bei jüngeren Frauen vorkommen (z. B. Granulosazelltumoren, Dysgerminome u. a.). In der Schweiz erkranken pro Jahr etwa 600 Frauen neu an einem Ovarialkarzinom, es sterben an den Folgen über 400 Frauen daran. Es gibt keinen echten Altersgipfel, das bedeutet, je älter die Frau wird umso höher ist das Erkrankungsrisiko. Meist wird dieses in einem fortgeschrittenen Stadium festgestellt, da keine Vorsorge eine Früherkennung ermöglicht. In einigen Fällen wird eine Krebsvorstufe diagnostiziert, sogenannte Borderline-Tumore, die zwar ausgedehnt operiert werden müssen aber eine gute Prognose haben und keine Chemotherapie benötigen.

 

Die Genetik spielt eine zunehmend wichtige Rolle, denn nicht selten findet man beim Ovarialkarzinom Genveränderungen, die auf ein erbliches Krebssyndrom hinweisen (z. B. BRCA1- oder BRCA2-Mutation). Und auch wenn nicht das Gesamtgenom der Patientin betroffen ist, so können genetische Veränderungen des Tumors bereits jetzt in bestimmten Situationen gezielte Therapien ermöglichen. Die Therapie des Ovarialkarzinoms besteht meist aus einer komplexen Operation und einer Chemotherapie. Das Ovarialkarzinom breitet sich typischerweise zunächst im Becken, dann aber bald im gesamten Bauchraum aus und bildet oft Flüssigkeit (Aszites).

 

Operation

Die operative Therapie des Ovarialkarzinoms ist sehr komplex, erfordert sehr viel Erfahrung und ein gutes interdisziplinäres Team, was oft auch Viszeralchirurgen und Intensivmediziner benötigt. Die Operation sollte immer durch erfahrene GynäkoonkologInnen durchgeführt werden, da dies entscheidend ist für die Prognose. In der Regel ist hierbei ein Bauchschnitt nötig, bei dem eine Untersuchung des gesamten Bauchraumes möglich ist und jegliche Tumorabsiedlungen entfernt werden. Nur in Ausnahmefällen wird eine Bauchspiegelung durchgeführt. Ziel der Operation ist es, dass möglichst kein sichtbarer Tumor zurückbleibt und innerhalb weniger Wochen nach der Operation eine Chemotherapie begonnen werden kann. Manchmal lässt sich nicht alles entfernen, z. B. wenn Tumormassen an wichtigen Blutgefässen des Darmes liegen. Dann kann es besser sein keine Tumorreduktion bei der Erstoperation durchzuführen, schnellstmöglich mit einer Chemotherapie zu starten, um zu einem späteren Zeitpunkt, z. B. nach der Hälfte der geplanten Chemotherapie, doch noch zu operieren. Einige Patientinnen sind aber bereits so krank oder alt, dass eine Operation nicht in Frage kommt.

Wenn der Tumor nach einer gewissen Zeit wiederkommen sollte, dann kann in vielen Fällen eine erneute Operation den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Dies sollte von einem interdisziplinären Team genau angeschaut werden und mit der Betroffenen diskutiert werden.

 

Chemotherapie

Nur in sehr seltenen Fällen in Frühstadien des Ovarialkarzinoms kann auf diese verzichtet werden. Die Chemotherapie setzt sich meist aus den Präparaten Carboplatin und Paclitaxel (s. Kapitel Chemotherapie) zusammen und dauert über annähernd sechs Monate. In einigen Fällen wird diese durch eine Antikörpertherapie (Bevacizumab) ergänzt, z. B. wenn nicht alles entfernt werden konnte, die eine Gefässneubildung der Tumore hemmen soll. In der Rezidivsituation kommen im Verlauf auch andere Substanzen zum Einsatz, wobei die Therapie sich dann immer an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren soll und die Lebensqualität hierbei eine wichtige Rolle spielt. Die von manchen Ärzten propagierte intraabdominelle Chemotherapie, bei der erwärmte Substanzen direkt bei der Operation in den Bauch gegeben werden (HIPEC), ist ein experimentelles Verfahren und der Nutzen gegenüber den Risiken kann nicht sicher abgewogen werden. Dieses Verfahren kann in der Therapie des Ovarialkarzinoms ausserhalb von kontrollierten klinischen Studien derzeit nicht empfohlen werden.

 

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie spielt in der Therapie des Ovarialkarzinoms eine untergeordnete Rolle und wird nur in der Rezidivsituation in Einzelfällen eingesetzt.

 

Ausblick

Das Wissen aus der Labor- und auch aus der klinischen Forschung führt aktuell zu erfreulichen Fortschritten in der Therapie des Ovarialkarzinoms. Dank klinischer Studien wissen wir, dass wir bei den Lymphknoten meist weniger aggressiv operieren müssen als bisher gedacht, was zu einer schnelleren Erholung führt und weniger Probleme mit Lymphstau verursacht. Auch sollte bei Rezidiven immer eine erneute Operation in Betracht gezogen, diese kann oft sinnvoll sein. Genetische Analysen der Keimbahn von Betroffenen oder von Tumoren ergeben die Möglichkeit für neue Therapien, die bei bestimmten Voraussetzungen von z. B. Genmutationen nebenwirkungsärmer im Vergleich zu Chemotherapien eingesetzt werden können.

Molekularbiologische Methoden erlauben uns in absehbarer Zeit eine bessere Einteilung der unterschiedlichen Typen des Ovarialkarzinoms, sodass wir voraussichtlich bald bei einigen Untergruppen des Ovarialkarzinoms auf eine Chemotherapie verzichten werden und andere Möglichkeiten haben, dies muss aber erst in klinischen Studien überprüft werden.

Weiterführende, noch immer gültige Informationen, zum Thema finden Sie hier.